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Saalumbau in Rott ist auf der Zielgeraden

 Die Ortslage Rott mit ihren vielen Neubaugebieten ist vor allem wegen der Nähe zu Aachen als attraktiver Platz zum Wohnen und Leben gefragt. Der rund 1700 Einwohner zählende Ort aber wird optisch geprägt vom historischen Ortskern mit Pfarrkirche, Pfarrhaus sowie Gaststätte und Saal Hütten.

Das alte Sparkassengebäude und der Dorfladen aus jüngerer Zeit runden das Bild ab. In diesem ortsbildprägenden Ensemble gilt aktuell das Interesse der Umgestaltung der Winkelhofanlage mit Saal und Gaststätte.

Der im Jahr 2009 gegründete Förderverein Rott Saal Hütten hat sich der Aufgebe gewidmet, den unter Denkmalschutz stehenden Saal als Mittelpunkt des kulturellen Dorflebens zu erhalten, zu renovieren und zu beleben. Das seit diesem Zeitpunkt regelmäßig angebotene kulturelle Programm erfuhr stets einen beachtlichen Zuspruch. Mit nennenswerten finanziellen Zuwendungen seitens der NRW-Stiftung hat der Verein den Saal im März 2018 käuflich erworben. Dank weiterer Fördermittel aus unterschiedlichen Kanälen und mit großer Eigenleitung seitens des Fördervereins gehen die im Mai 2019 gestarteten Renovierungsarbeiten nun in die Schlussphase. Am 30. Oktober 2020 soll die offizielle Einweihung erfolgen. Als Begegnungsstätte für das Vereinsleben, als kultureller Mittelpunkt und als Treffpunkt für Familienfeiern soll der aufgemöbelte Saal zukünftig dienen.

Die Bedeutung von Saal und Gaststätte für das Dorfleben sowie seine historische Dimension beschreibt Rainer Hülsheger, der Vorsitzende des Heimat- und Eifelvereins Rott, nun auch in der jüngsten Publikation der Schriftenreihe „Rheinische Heimatpflege (siehe Box). Der historische Charakter des Ensembles im Ortskern ist für Hülsheger einzigartig, aber dabei allein dürfe es nicht bleiben, sagt er: „Ein Dorfmittelpunkt muss auch erlebbar sein.“

Für 200.000 Euro wechselte der gesamte Komplex mit Saal und Gaststätte im vergangenen Jahr den Besitzer; der Förderverein erwarb den Saal, der Rotter Unternehmer Andreas Schindler die Gaststätte. 100.000 Euro Zuwendung seitens der NRW-Stiftung ermöglichten dem 91 Mitglieder zählenden Förderverein diese Transaktion; hinzu kamen noch 37.000 Euro Fördermittel vom Landschaftsverband Rheinland und allein 20.000 Euro als Spenden von Privatpersonen.

Mit rund 2000 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden glich der Förderverein seinen finanziellen Eigenanteil aus. Der Saal und die darunter liegende Untergeschossräume wurden nach Plänen des Architekten Thomas Staerk und den Vorgaben der Versammlungsstättenordnung umgestaltet. Die historischen Balkenkonstruktionen im Untergeschoss wurden weitgehend erhalten und zusätzlich Feuerschutzdecken sowie Feuerschutztüren eingebaut. Die Bruchsteinwände wurden weiß eingeschlämmt, der Boden mit ortstypischen Blausteinplatten ausgelegt. Neben einem Mehrzweckraum und einer behindertengerechten Toilette befinden sich hier auch Stuhl- und Getränkelager. Im Saal selbst wurden bis auf notwendige Renovierungsmaßnahmen und die Neumöblierung keine Änderungen an der historischen Substanz vorgenommen.

Wichtig ist vor allem, dass der bisher nur über eine breite Treppe zu erreichende Saal nun über einen neuen behindertengerechten Plattformaufzug erschlossen ist. Die bislang eher ungünstig platzierte Bühne wurde entfernt, und durch eine neue mobile Bühne ersetzt, die sich nun an der Giebelwand des Saales befindet. Die Bauabnahme ist im Laufe des Monats September geplant.

Die Gaststätte war bereits in den Jahren 1996/97 renoviert worden. Mit der Installation einer neuen Küche durch den neuen Eigentümer ist nun die Möglichkeit gegeben, den Restaurant- und Biergartenbetrieb wieder aufzunehmen. Damit dieser Bereich auch ein attraktives Umfeld erhält, soll die Fläche zwischen Winkelhofanlage und dem nahegelegenen Gebäude des Dorfladens im nächsten Jahr attraktiver gestaltet werden. Ein Antrag auf NRW-Landesmittel aus dem Dorferneuerungsprogramm ist bereits gestellt.

Weitere Zukunftspläne betreffen die Nutzung des Mehrzweckraumes unter dem Saal. Nach historischem Vorbild könnte zu bestimmten Terminen das einst hier vorhandene Backes wieder aufleben, und auch eine Nutzung als Trauzimmer ist bereits angedacht.

Die geplante Neueröffnung des Saals am 30. Oktober muss selbstverständlich unter den derzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregeln als reduzierte Feier stattfinden. Statt eines großen Volksfestes findet eine Gesprächsrunde mit Experten und ein Rückblick auf die Baumaßnahme in Bildern statt. Städteregionsrat, Bürgermeister, Vertreter vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege sowie der NRW-Stiftung haben ihre Teilnahme zugesagt.

Die Corona-Situation hat auch den Förderverein hart getroffen. Eine Reihe in diesem Jahr ausgefallener Veranstaltungen und Familienfeiern, so hat Geschäftsführer Manfred Adrian ausgerechnet, bescherten dem Verein bislang einen Verlust von rund 7000 Euro. Einziger Vorteil der Zwangspause: Die Umbauarbeiten liefen schneller als geplant. Mit Fitness- und Tanzkursen ist aktuell zumindest eine minimale Auslastung des Saales gewährleistet, doch noch in diesem Jahr soll eine größere Veranstaltung (eine Travestie-Show) im Saal mit dem ganz besonderen Flair folgen.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/saal-umbau-in-rott-geht-auf-die-ziellinie_aid-53078539

Foto: Peter Stollenwerk