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Corona-Spuk ist noch nicht vorbei

 Trotz oder gerade wegen der ersten Lockerungen: Die Verwaltungschefs aus Aachen und der Städteregion und die Experten des Uniklinikums rechnen noch lange mit Einschränkungen durch das Coronavirus. Dass es sich dabei um eine heimtückische, sehr gefährliche Krankheit handelt, betonte noch einmal der Vorstandsvorsitzende des UKA.

Wann ist das alles vorbei? Das ist wohl die Frage, die derzeit in Bezug auf die Corona-Pandemie den meisten Menschen auf der Zunge liegt. Nach einer gemeinsamen Pressekonferenz der Stadt Aachen, der Städteregion Aachen sowie des Universitätsklinikums Aachen am Mittwochmittag ist deutlich: noch nicht so bald.

Er wisse genau, wie falsch sich das anfühle, die Kontaktsperre gerade im direkten Umkreis der Familie einzuhalten, sagte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Mein Schwiegervater hatte jetzt Geburtstag. Eine richtige Feier war schlichtweg nicht möglich.“ Und doch sei gerade jetzt, wo es nach vielen Wochen erstmals Lockerungen gebe – beim Einkaufen, an den weiterführenden Schulen – besonders wichtig, dass die Menschen sich an die Regeln halten: auf Abstand bleiben, Hände waschen und Maske tragen, wenn man in der Öffentlichkeit unterwegs ist.

Ein Testzentrum wird mobil

„Welche Auswirkungen die Lockerungen auf die Entwicklung der Zahlen haben werden, wissen wir erst in zwei Wochen“, mahnte auch Städteregionsrat Tim Grüttemeier. Denn so lange ist die Inkubationszeit des Coronavirus. Umso wichtiger sei auch in Zukunft die Testung auf Corona, betonte Grüttemeier. Mit der Entwicklung der kommunalen Abstrichzentren am Aachener Tivoli und in Eschweiler zeigten sich Philipp und Grüttemeier zufrieden.

Rund 18.000 Abstriche sind bislang gemacht worden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Menschen aufgrund der guten Erreichbarkeit einen Test am Tivoli bevorzugen. „Darum haben wir uns entschieden, das Testzentrum in Eschweiler pausieren zu lassen und die dortigen Mitarbeiter in mobilen Teams durch die Städteregion zu schicken“, so Grüttemeier. Wer bereits einen Termin für das Zentrum in Eschweiler hat, könne diesen aber selbstverständlich noch wahrnehmen.

Ziel sei es vor allem, die 70 stationären Einrichtungen mit all ihren Bewohnern und Pflegekräften zu testen – und das regelmäßig. Bislang seien in 36 Einrichtungen 144 Bewohner und 99 Mitarbeitende positiv auf das Virus getestet worden. Durch die regelmäßige Testung, so Grüttemeier, habe man die Lage gut im Griff. „So haben wir keine Dunkelziffern mehr in den Seniorenpflegeeinrichtungen.“

Wer übernimmt die Kosten?

Gleichwohl betonte er, dass es bislang keine Klarheit darüber gebe, wer für die „indikationsunabhängigen“ Tests aufkommt. „Die Städteregion geht da momentan in Vorleistung. Aber wir rechnen damit, dass das Modell bald bundesweit Schule macht.“

Apropos Schule: Lob für die Umsetzung der Vorgaben aus Düsseldorf gab es für Schulleiter, Lehrer und alle, die sonst vor Ort mit der Umsetzung betraut waren. „Die ersten Schüler besuchen jetzt wieder den Unterricht, und bislang läuft alles gut“, betonte Philipp. Man müsse die Situation natürlich genau beobachten, um im Fall einer Infektion schnell reagieren zu können. „Dass wir jetzt immer wieder Schulen komplett schließen und öffnen, das kann ich mir nicht vorstellen.“

Neben dem Appell an die Bürger, vernünftig zu sein, wandte Philipp sich auch an die Landesregierung: „Wenn ich möchte, dass die Menschen sich an die Regeln halten,dann müssen diese Regeln auch für alle nachvollziehbar sein.“ Gerade im Einzelhandel gebe es viel Unverständnis darüber, dass bis auf wenige Ausnahmen nur Läden mit einer Verkaufsfläche von weniger als 800 Quadratmetern öffnen dürfen.

Eindringlich warnte Professor Thomas Ittel, Vorstandsvorsitzender des Aachener Universitätsklinikums, davor, jetzt im Alltag zu unvorsichtig zu werden. „Die schlimmsten Szenarien sind bislang nicht eingetreten. Das sollte uns aber keinen Grund zur vorschnellen Entwarnung geben, denn es ist auch Ergebnis unserer präventiven Bemühungen“, sagte er. „Wir müssen mit Blick auf den Betrieb der Krankenhäuser nach wie vor behutsam und in einer disziplinierten Schrittfolge vorgehen.“

Eine schnelle Rückkehr in die altbekannte Normalität werde es trotz der moderaten Entspannung also schwerlich geben können. Dennoch werden alle Krankenhäuser Schritt für Schritt wieder ein Stück weit ihren Regelbetrieb aufnehmen. „Aufgrund der freien Kapazitäten können wir teilweise wieder planbare Operationen durchführen“, sagt Ittel, der außerdem betont, dass niemand Angst davor haben sollte, im Notfall in ein Krankenhaus zu gehen. Dass die Fallzahlen von Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten gesunken sind, beobachtet er mit Sorge.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/der-corona-spuk-ist-noch-nicht-vorbei_aid-50311483

Foto: Harald Krömer