Wasserpreis in der Eifel steigt

Die Schonzeit für die rund 50.000 Kunden des Wasserwerks Perlenbach ist vorbei: Nach einer langen Phase der Kontinuität steht für das Jahr 2020 eine Erhöhung des Wasserpreises vor der Tür.

Der Betriebsausschuss des Wasserversorgungszweckverbandes empfahl bei drei Enthaltungen der Ende November tagenden Verbandsversammlung der Preisanpassung zuzustimmen. Demnach soll der Wasserpreis (der sogenannte Arbeitspreis) von bislang 1,40 Euro je Kubikmeter um fünf Cent auf 1,45 Euro (+7 Prozent Umsatzsteuer) erhöht werden.

Seit dem Jahr 2005 bereits hatte der Wasserpreis Bestand, jetzt aber zwingen die seit 2017 anhaltenden kontinuierlichen Verluste im Wirtschaftsplan den Verband zu dieser Anpassung.

Grundpreis: plus 24 Euro

Legt man einmal den durchschnittlichen Trinkwasserverbrauch eines Drei-Personen-Haushaltes in Höhe von 130 Kubikmeter zugrunde, dann ist die Erhöhung sicherlich für die Verbraucher im 65 Quadratkilometer großen Versorgungsgebiet zwischen Kalterherberg und Kreuzau zu verkraften. Mehr ins Gewicht fällt da schon die ebenfalls anstehende Erhöhung des Grundpreises für einen Wasserzähler.

Der bisherige Grundpreis liegt aktuell bei 144 Euro im Jahr und soll ab 2020 um 24 Euro auf 168 Euro steigen. Die letzte Erhöhung des Grundpreises resultiert auf dem Jahr 2012, so dass das Wasserwerk von einer durchschnittlichen jährlichen Preissteigerung um 1,1 Prozent seit der letzten Erhöhung 2012 spricht. Die Arbeitspreiserhöhung führt zu Mehrerträgen von 123.000 Euro im Jahr, beim Grundpreis ergibt sich für den Wirtschaftsplan 2020 ein Zugewinn von 460.000 Euro. Nach der Erhöhung ist das Verhältnis der Einnahmen aus dem Wasserpreis (51 Prozent) und aus dem Grundpreis (49 Prozent) fast wieder ausgewogen.

Eine Vielzahl von Faktoren, erläuterte Betriebsleiter Derk Buchsteiner in der Sitzungsvorlage, habe die Preiserhöhung verursacht: Der Personalbestand (insgesamt beschäftigt das Wasserwerk rund 50 Mitarbeiter) sei an den tatsächlichen Bedarf angepasst worden, die Materialkosten seien gestiegen, es seien in den Trockenjahren 2018 und 2019 außerplanmäßige Kosten in Höhe von 400.000 Euro für für die mehrmonatige Inbetriebnahme der Notwasserversorgung angefallen, in den letzten Jahren seien verstärkt Investitionen in die Versorgungssicherheit und Netzerneuerung geflossen und schließlich plane man die Anschaffung einer UV-Abschlussdesinfektion, die den zukünftigen Einsatz von Chlor im Trinkwasser entbehrlich mache.

Durch das Wassergeld erwartet der Verband im kommenden Jahr rund 3,6 Millionen Euro Einnahmen, über den Grundpreis sind es weitere 3,3 Millionen Euro. Als Berechnungsgrundlage dient dabei der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von 46 Kubikmeter. Dagegen verschlingen die Personalkosten allein 3,7 Millionen Euro. Der Jahresabschluss 2018 zeigt in der Bilanz einen Fehlbetrag von 480.000 Euro auf.

Diese Größenordnung sei zu erwarten gewesen, sagte Verbandsvorsteher Karl-Heinz Hermanns. Hauptsächlich sei das Minus durch die allein in 2018 entstandenen Wasserbezugskosten in Höhe von 300.000 Euro durch den Betrieb der Notwasserleitung verursacht worden. Ohne die Zahlungen an die Wassergewinnungs- und aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG) wäre das Minus nur bei 180.000 Euro und damit weit unter der Annahme geblieben.

Auch im kommenden Jahr hält das Wasserwerk an seiner Strategie der verstärkten Netzerneuerung fest. Rund zwei Prozent des Verteilungsnetzes, das entspricht etwa zehn Kilometern Haupt- und Ortsnetzleitungen, sollen ausgetauscht werden, was stolze 4,9 Millionen Euro verschlingt. Hohe Kosten verursacht auch wieder die Sanierung der insgesamt 22 Hochbehälter, deren Erneuerung etwa zur Hälfte abgeschlossen ist. Die Investitionen in die Verteilungsanlagen des Wasserwerks bilden im kommenden Jahr mit 8,7 Millionen den größten Posten.

Netzerweiterung

Neben der Erneuerung wird das Netz aufgrund neuer Baugebiete auch kontinuierlich erweitert. Im kommenden Jahr sind 3,2 Kilometer neue Leitungen eingeplant, was allein mit 420.000 Euro zu Buche schlägt. 139 neue Hausanschlüsse, etwas weniger als im Vorjahr, werden zudem verlegt. Im Durchschnitt der zurückliegenden fünf Jahre wächst das Verbandsgebiet um jährlich rund 300 Einwohner.

Gregor Mathar (SPD) brachte beim Thema Wasserpreiserhöhung die Anregung ins Spiel, eventuell den Wasserbezugspreis um mehr als fünf Cent zu erhöhen und stattdessen den Grundpreis nicht so stark anzuheben. Dies betrachte er als soziale Komponente besonders im Hinblick auf Ein-Personen-Haushalte. Verbandsvorsteher Karl-Heinz Hermanns entgegnete, dass man ebenso andersherum argumentieren könne, weil durch die vorgeschlagene Regelung größere Haushalte günstiger gestellt seien. Auch Franz-Karl Boden, Kämmerer der Stadt Monschau, sprach sich dafür aus, eine alternative Kalkulation des Verhältnisses zwischen Wasserbezugs- und Grundpreis zu prüfen. Diese soll der Verbandsversammlung vor der endgültigen Beschlussfassung über die Preisanpassung vorgelegt werden.

 

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/wasserwerk-perlenbach-sieht-sich-zu-preiserhoehung-gezwungen_aid-46404027

Foto: Peter Stollenwerk