Schäden im Gemeindeforst

Das Ausmaß der Schäden, die der Tornado Mitte März im Roetgener Wald hinterlassen hat, zeichnet sich immer konkreter ab. Zuletzt hat Gemeindeförster Wolfgang Klubert in der Sitzung des Umwelt-, Touristik- und Forstausschusses auf Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen über den aktuellen Stand im Wald berichtet.

„Es wird nicht ganz so schlimm kommen wie zunächst geschätzt“, sagt Klubert, „aber schlimm genug.“ Als Schadenssumme, die sich etwa zu gleichen Teilen aus den Aufwendungen und Erlösminderungen zusammensetzt, hatte er eine gute Million Euro geschätzt. Mittlerweile rechnet Klubert mit einem etwas geringeren Schaden von rund 952.000 Euro.

Weitere Einschränkungen erwartet der Gemeindeförster aber lang- und mittelfristig in Bezug auf den Vorrat, denn aufgrund des Tornados sind rund 14.000 Festmeter Vorratsverlust zu verzeichnen. „Das sind 7.000 Festmeter Holz mehr als nachwächst“, erklärt Klubert. „Wir müssen in den nächsten 30 Jahren unseren Hiebsatz anpassen- und zwar nach unten.“ Erst dann würden die jungen Bestände in den Zuwachs hineinwachsen, der verwertbar sei. Es fehlen also mittelfristig weitere Einnahmen.

Nach dem Tornado musste das Holz aufgrund des „Käfers im Nacken“ sehr kurzfristig verkauft werden. „In den Zeiten, in denen der Holzmarkt völlig übersättigt ist, war das kein einfaches Unterfangen, aber wir haben gute Abschlüsse hingekriegt“, sagt Klubert. Eine Fläche von etwa 30 Hektar wurde vom Tornado in Mitleidenschaft gezogen. 13.000 bis maximal 15.000 Festmeter Holz müssen aus dem Wald entfernt werden. „Ich denke, es wird im unteren Bereich der Schätzung bleiben, aber auf keinen Fall darüber.“

Der Tornadoschaden wird in zwei Durchgängen aufgearbeitet, der erste ist nun weitgehend abgeschlossen. Hierbei wurden alle Fichten, die abgebrochen oder nicht mehr verwurzelt waren, aus dem Wald geholt, um das Risiko des Borkenkäferbefalls einzudämmen. Beim zweiten Durchgang werden nun alle anderen Bäume aus dem Wald geholt sowie die Pflanzen, die nachgekippt sind. Aufgrund der Schneise, die der heftige Wirbelsturm hinterlassen hat, sind die Bäume noch anfälliger für Wind und andere Natureinflüsse, so dass es fortlaufend zu weiteren Schäden kommen kann. Immerhin sorgt das kühle, nasse Wetter im Mai dafür, dass die Bäume laut Klubert „durchatmen“ können und der Borkenkäfer schlechtere Bedingungen zur Ausbreitung hat.

In diesem Jahr werde nichts anderes passieren, als das Kalamitätsholz, also befallenes, schadhaftes Holz, aus dem Wald zu holen. Auch die nächsten Jahre werden davon geprägt sein. „Nach jeder Kalamität ist damit zu rechnen, dass man in den Folgejahren mindestens 50 Prozent des eigentlichen Holzanfalls zusätzlich noch einmal mit Folgehieben bewältigen muss.“ Der Schaden des Tornados wird also noch länger die Forstwirtschaft beschäftigen.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/roetgen/schaeden-im-gemeindeforst-durch-die-windhose-am-13-maerz-sind-gross_aid-38988015

Foto: Heiner Schepp

Der Klimawandel macht auch vor unserem Dorf nicht halt!!

Ein Tornado ist am Mittwochnachmittag durch Roetgen gezogen und hat laut Feuerwehr „eine Schneise der Verwüstung“ hinterlassen. Etliche Häuser wurden beschädigt und weitere Schäden angerichtet. Die Feuerwehr war im Großeinsatz.

Es dauerte nur zwei, vielleicht drei Minuten. Doch bis die Schäden behoben sind, die am Mittwochnachmittag eine Windhose im nordöstlichen Teil von Roetgen hinterließ, dürften Jahre vergehen. Mit zerstörerischer Wucht fegte der Wirbelsturm offenbar vom Bereich Marienbildchen ausgehend ostwärts in Richtung Hauptstraße und Kuhberg bis zur Hahner Straße und Richtung Rott und hinterließ eine Spur der Verwüstung.

Das Unfassbare ereignete sich gegen 16.30 Uhr. „Es donnerte kräftig, doch dann hörten wir noch andere dumpfe Geräusche“, erzählt eine Anwohnerin der Roetgener Hauptstraße. Dann sei sie zum Fenster gelaufen und habe ihren Augen nicht mehr getraut: „Bretter, Bleche, dicke Äste, Dachziegel und Schilder wirbelten haushoch durch die Luft, Mülltonnen sausten wie Spielzeugautos über die Hauptstraße und es regnete gelbe Isolierstofffetzen“, schildert die Frau  ihre Beobachtungen.

Das Wetterphänomen, das man in unseren Breiten eigentlich nur aus den Nachrichten kennt, war Teil eines ausgedehnten Niederschlagsgebietes, das am Mittwoch über die Region zog. Es gehörte zum derzeit aktiven Sturmtief „Franz“, wie eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes gegenüber unserer Redaktion erklärte. Dabei traten im Raum Aachen bereits regulär Sturmböen von bis zu 90 Kilometern pro Stunde auf, was Windstärke 10 entspricht. In der Windhose dürfte die Geschwindigkeit deutlich darüber gelegen haben. Die Wucht, mit der in Roetgen auch Dächer neuerer Bauart abgedeckt, dicke Bäume entwurzelt und selbst schwere Fahrzeuge gepackt wurden, lässt auf eine Geschwindigkeit von annähernd 200 Stundenkilometer schließen.

Der große Unterschied zwischen einer „normalen“ Sturmlage wie am vergangenen Sonntag und dem Wirbelsturm am Mittwoch war die Präzision, mit der Letzterer durch einen kleinen Teil von Roetgen fegte. Noch an der Hauptstraße/Ecke Brandstraße war kein einziger Dachziegel heruntergekommen, nicht mal eine Mülltonne war umgefallen. 50 Meter weiter dann die ersten beiden Häuser, deren Dächer teilweise abgedeckt waren.

Die schwer beschädigten Gebäude, Vorgärten, Gartenlauben und Garagen an der Hauptstraße und in der Rotter Gasse zeigten deutlich, welchen Weg der Tornado genommen hatte. Der Wirbelsturm verließ die Bebauung erst am Ende der Straße „Kuhberg“, wo die Windhose offenbar noch einmal zu Kräften kam: Der Tornado deckte das Flachdach eines modernen Wohnhauses komplett ab und riss auch am Nachbarhaus große Teile des Dachs herunter. Schließlich bahnte sich der Wirbelsturm einen etwa 100 Meter breiten Fluchtweg durch einen Hochwald, wo er die Bäume wie Streichhölzer abknickte. Einige fielen auch auf die Himmelsleiter, die Bundesstraße 258. Dort kam der Verkehr zum Erliegen, mindestens ein Auto wurde durch den Wind auf die Seite geschleudert.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Roetgen und vieler anderer Löschzüge und Hilfsdienste aus der Umgebung sicherten eine herabgefallene Hochspannungsleitung und eilten von Haus zu Haus, um sich davon zu überzeugen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen waren. Wie durch ein Wunder gab es offenbar keine schwereren Personenschäden; am Abend war von lediglich zwei Leichtverletzten die Rede.

Nach vorläufigen Schätzungen von Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss wurden „mindestens 30 Häuser beschädigt, zehn davon waren am Mittwochabend unbewohnbar“, hieß es. Die Gemeinde richtete in der Gemeindesporthalle eine Anlaufstelle und eine Notunterkunft für etwa 30 Personen ein, die vergangene Nacht buchstäblich kein Dach mehr über dem Kopf hatten.

Auch in den kommenden Tagen soll das stürmische und regnerische Wetter in der Region vorherrschend bleiben. Am Donnerstag zieht bereits am Vormittag das nächste Niederschlagsgebiet heran.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/roetgen/tornado-in-roetgen-windhose-zerstoert-haeuser-in-der-eifel_aid-37434007

Foto H. Schepp