Riesenklotz passt nicht zu Roetgen

  Fassungslosigkeit über alle Parteigrenzen hinweg: Die Pläne der Gemeinde Roetgen zur Erweiterung des Vennhof-Areals an der Bundesstraße sind am Dienstagabend im Bauausschuss auf einhellige Ablehnung gestoßen!!

Nach den vorgelegten Plänen sollte das Gebäude an der Kreuzung Faulenbachstraße, in dem unter anderem die Bäckerei Moss ein Café betreibt, zur Bundesstraße hin deutlich erweitert werden. Nach Einschätzung der Fachpolitiker wäre ein rund 100 Meter langes und bis zu 15 Meter hohes, vierstöckiges Gebäude parallel zur Bundesstraße entstanden – ein „Riesenklotz von gigantischer Höhe“, wie Gudrun Meßing von den Grünen „irritiert“ konstatierte.

Das Gebäude auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Areal, das direkt an die Baugebiete Greppstraße und Faulenbruchstraße angrenzt, sollte im Erdgeschoss Platz für weiteren Einzelhandel schaffen und in den oberen Stockwerken zahlreiche Wohnungen aufweisen. Auch an eine Tiefgarage für die Bewohner hatten die Planer um Tim Felsmann (ISR Haan) gedacht. „Datt is ne Hütte wie die Aachen-Arkaden“, kommentierte Bernd Vogel von der Partei Roetgener Bürger (PRB) die Pläne.

CDU-Mann Stephan Speitkamp äußerte sich ebenfalls „überrascht über die Massivität des Baukörpers“ und fragte, ob denn niemand an die Menschen im angrenzenden Neubaugebiet gedacht habe. „Ein viertes Geschoss gibt es im ganzen Ort nicht. Warum ausgerechnet dort?“, monierte Silvia Bourceau von der UWG. Die SPD wies auf die „extrem positive Entwicklung“ des bestehenden Vennhofs hin. „Eine solche Gebäudehöhe ist aber nicht zustimmungsfähig“, sagte Bernd Freialdenhoven.

Die Verwaltung zog die Vorlage daraufhin zurück. Das mit der Planung befasste Büro ISR Haan soll nun nachbessern. Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) sah durch den massiven Riegel zwar Vorteile für den Lärmschutz der dahinter liegenden Baugebiete, teilte aber „den einen oder anderen Kritikpunkt“. Zudem regte er an, dass dem Ausschuss demnächst eine skizzenhafte Hochbauplanung vorgelegt werden soll, durch die die zu erwartende Gebäudehöhe besser beurteilt werden kann.

Unterdessen gab der Bauausschuss erneut grünes Licht für das bis zuletzt umstrittene Neubaugebiet Hahnbruch in Rott. Am westlichen Ortsrand sollen acht größere Parzellen zur Bebauung freigeben werden. Der Gemeinderat hat dies in seiner letzten Sitzung des vergangenen Jahres bereits auf den Weg gebracht, allerdings hatten Änderungen in Details eine wiederholte Offenlegung nötig gemacht. Eine große Koalition aus SPD und CDU setzte sich am Dienstagabend knapp mit 6:5 Stimmen gegen Grüne, UWG und PRB durch. FDP-Mann Franz-Josef Zwingmann enthielt sich der Stimme.

„Man kann den Rottern nur raten: Genießen Sie noch einmal die herrliche Aussicht dort im Tal – lange wird es die nämlich nicht mehr geben“, sagte Silva Bourceau. Und Grünen-Vertreterin Meßing kommentierte: „Die Einwände der Bürger werden hier überheblich vom Tisch gewischt. Ganz Rott ist dagegen, dass hier eine der letzten Wiesenflächen zerstört wird – bis auf zwei Grundeigentümer.“ Der Gemeinderat wird nun am 24. September entscheiden.

 

 

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Foto: Peter Stollenwerk