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IT-Campus in Roetgen auf den Weg gebracht

 Hunderte Arbeitsplätze sollen entstehen. Der erste Schritt zum IT-Campus und für Erweiterungsflächen ansässiger Gewerbetreibender im Nordwesten Roetgens ist genommen. Allerdings macht sich der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl auch diese Entscheidung nicht einfach.

Zuerst wird von der Opposition noch einmal heftig nachgefragt und argumentiert. Dann passiert der Auftrag an die Verwaltung, einen Bebauungsplans vorzubereiten, sogar einstimmig den Rat. Allerdings erscheint die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft von Gemeinde sowie von Andreas Schindler und Emilio Dragas zur Realisierung des Projektes für einige dann doch so mit Fragen behaftet zu sein, dass sich neun Stimmen aus dem Lager von Grünen, UWG und PRB enthalten.

Die beiden Gesellschafter der „m3connect“ begleiten jedenfalls ebenso interessiert wie angespannt die Sitzung. Noch am Vorabend haben sie bei den Oppositionsfraktionen Rede und Antwort gestanden, nachdem die Mehrheit bereits frühzeitig das Gespräch gesucht hatte. Die weltweit agierenden Anbieter von spezifischen Lösungen beim drahtlosen Zugang ins Internet stellen sich im Gemeinderat erneut dem Fragenhagel.

Einige Eckpunkte:

Schnellstmöglich sollen die Verträge über Grunderwerb und Projektgesellschaft geschlossen werden. Ende 2021/Anfang 2022 soll Baubeginn im Gewerbegebiet sein. Der Verwaltungschef kündigt an, möglichst viele Fragen im Vorgriff auf das Verfahren klären und vor Sondersitzungen der Ratsgremien nicht zurückschrecken zu wollen.

Dazu soll Roetgen das bestehende, etwa 18 Hektar große Gewerbegebiet um weitere vier Hektar im Nordwesten erweitern. Aufgrund jüngster Verhandlungen ist ein Durchbruch mit den Eigentümern der Wiesen erzielt und der Kauf des Geländes möglich geworden, das im Flächennutzungsplan bereits als Gewerbefläche ausgewiesen ist.

Die eine Hälfte ist dem IT-Campus der „m3connect“ zugedacht, die anderen 20.000 Quadratmeter sollen den Expansionsbedarf in der Gemeinde ansässiger Gewerbebetriebe befriedigen helfen. Die gemeinsame Projektgesellschaft streben die Investoren an, um bei der Realisierung des Gewerbegebietes eine so attraktive Adresse als Arbeitgeber zu bieten, dass sie qualifiziertes Personal rekrutieren können. Der Wettbewerb um Fachkräfte in der Softwarebranche ist hart.

„Wir müssen mehr bieten können als nur ein gutes Gehalt“, sagt Dragas auf Nachfrage bei der Präsentation der Pläne im Rat. 27 Millionen Euro Umsatz hat demnach die „m3connect“ im vergangenen Jahr gemacht. Mit zwischen 20 und 25 Prozent wird das jährliche Wachstum beziffert – personell wie finanziell. Die Unternehmer sind in Roetgen bereits stark engagiert. „Rock in Rott“, SV Rott und Saal Hütten sind bekannte Stichworte.

„Glückwünsche“ an den Bürgermeister „zum Coup zufällig gerade jetzt vor der Wahl“ kommen von Gerd Pagnia (Grüne) – ebenso wie Bedenken bei der Projektgesellschaft. Diese erwecke den Eindruck, dass „alles so schon abgesprochen ist“, befürchtet Gudrun Meßing (Grüne).

Im Laufe der Debatte kristallisiert sich heraus, dass über die Entwicklungsgesellschaft Gemeinde Roetgen mbH (EGGR) die privatrechtliche Beteiligung erfolgen und die Projektgesellschaft nicht einer Gewinnerzielung, wie von Anita Buchsteiner (PRB) befürchtet, sondern nur der Entwicklung und Erschließung des Gebietes dienen soll. Aus diesem Aufwand soll sich auch der noch nicht bezifferbare Kaufpreis der Gewerbeflächen errechnen.

Neu ermittelt werden soll der Erweiterungsbedarf der bestehenden Roetgener Betriebe. Nach einer Rundfrage im Jahr 2016 wurde er mit 15.000 Quadratmeter beziffert. Unklar bleibt in der Sitzung, welche Gewerbetreibenden seinerzeit befragt wurden. Einigkeit besteht, dass die Datengrundlage aktualisiert werden soll. Dazu sollen alle der rund 600 Gewerbetreibenden im Gemeindegebiet angeschrieben werden. In der Einwohnerfragestunde hatte sich ein Handwerker mit zusätzlichem Flächenbedarf zu Wort gemeldet, der vier Jahre zuvor nicht befragt worden war.

Die Vergabe der neuen Gewerbegrundstücke im Eigentum der Gemeinde soll an Kriterien gebunden werden, „weil wir knapp an Flächen sind und nicht nur Lagerhallen entstehen sollen“, sagt Jorma Klauss. Die Anzahl von Arbeitsplätzen und der Grad der Wertschöpfung für die Gemeinde schweben dem Bürgermeister dabei als Eckpunkte vor. Details soll später der Rat definieren.

Anders als in einem allerersten Entwurf von den Investoren skizziert, soll der Straßenanschluss des neuen Gebietes so nach Nordwesten durchgebunden werden, dass die Option einer Vergrößerung des Areals gewahrt bleibt. „Wir dürfen den selben Fehler nicht noch einmal machen“, mahnt Silvia Bourceau (UWG). Um die nun angedachte Erweiterung über die Straße „Am Münsterwald“ realisieren zu können, beschließt der Rat später am Abend im nichtöffentlichen Teil den Rückkauf einer Gewerbefläche, über die nun die Erschließung erfolgen kann.

In Richtung Belgien (dort sei dies aktuell kein Thema) und in Richtung Aachen (wo die Möglichkeiten von Grunderwerb weiter unklar seien) hat die Gemeinde bei der Straßenplanung Erweiterungsmöglichkeiten berücksichtigt. Auch einer Expansion noch weiter nach Nordwesten steht man offen gegenüber.

Kontrovers bleiben die Ansichten im Gemeinderat, die an der Bundesstraße gegenüberliegende Fläche zu entwickeln. Aus Sicht der Verwaltung gilt dies nur als dritte Option, die allerdings bei der Bezirksregierung für den Regionalplan gemeldet ist.

Die Erweiterung des Gewerbegebietes wird „erweiterten Handlungsbedarf“ auf der Bundesstraße auslösen, berichtet der Bürgermeister nach einer Voranfrage beim Landesbetrieb Straßenbau. Aus Roetgener Sicht attraktiv wäre zwar ein Kreisverkehr. Der dürfte zweispurig ausfallen müssen, um ausreichend leistungsfähig zu sein. Diese Leistungsfähigkeit auch nutzen zu können, würde aber an eingeschränkten Fähigkeiten von Verkehrsteilnehmern scheitern, zitiert Klauss aus dem Schreiben des Landesbetriebs. Dem diene da eine Kreisverkehrsanlage zwischen Alsdorf und Würselen als abschreckendes Beispiel.

Ein ganz anderes Fass macht Bernhard Müller für die Grünen auf. Die sprechen sich zwar für eine Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes nach Nordwesten aus, wollen aber vorab und bereits bis November diverse Details und Alternativen zur Projektgesellschaft geklärt wissen.

Insbesondere untersucht werden müsste die Möglichkeit, Fördermittel von Bund und Land in Anspruch zu nehmen. „Das müssen wir prüfen, bevor wir entscheiden“, sagt der Bürgermeisterkandidat, damit die späteren Grundstückspreise nicht zu teuer würden. Bis zu 90 Prozent Förderung sollen laut Müller da angeblich drin sein. Vorab geklärt werden müssten auch spätere Klagen von Unternehmern, möglicherweise mit dem Hauptinvestor nicht gleich behandelt worden zu sein. Denn letztlich fördere die Gemeinde ja ein Unternehmen aus Aachen. „Aber wir müssen das Projekt schnell voranbringen“, so Müller.

„Willkommen im Roetgener Rat“, kann da Rainer Nießen (SPD) nur noch frohlocken über „das Schaulaufen“. Anstatt andauernd „das Haar in der Suppe zu suchen“, sollte sich die Opposition lieber freuen, neue Gewerbefläche zu erhalten, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und einen attraktiven und zukunftsträchtigen Arbeitgeber zu gewinnen. Ins gleiche Horn stoßen Roland Meyer (FDP) und Michael Seidel (CDU), der den Skeptikern einen „Rückfall ins Schraubenkästchen“ bescheinigt. Einmal mehr gehe es nur um den Start eines Projektes mit Arbeitsaufträgen an die Verwaltung. „Details müssen im Verfahren geprüft und gute Dinge nicht vorab zerredet werden“, betont Seidel.

Ach ja, mehrfach ist an diesem Abend noch zu hören, dass Roetgen offensichtlich doch so Interessantes und Schönes zu bieten haben muss, dass ein so tolles und renommiertes IT-Unternehmen unbedingt zum „Tor der Eifel“ will. Das sollte man nicht aus den Augen verlieren.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/roetgen-will-sich-die-chance-nicht-entgehen-lassen_aid-53240567

Foto: Jürgen Lange