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Neue Landmarke am Pferdeweiher

Die Wanderstation am Roetgener Ortseingang soll um eine weitere Holzhütte ergänzt werden für die dauerhafte Ausstellung „Ort der Befreiung“ über das Ende des Zweiten Weltkrieges in Roetgen.

Am Ende beißt sich die Katze nur noch in den Schwanz. Die Skeptiker wollen zuerst die Kosten geklärt wissen, bevor sie sich auf eine Variante festlegen wollen. Die Befürworter weisen darauf hin, dass erst mit der weiteren Planung der finanzielle Aufwand kalkuliert werden kann, man sich dafür aber für eine Variante entscheiden muss.

Es ist beileibe nicht die altbekannte Frage, wer zuerst da war, das Huhn oder das Ei, die da im Bürgersaal an der Rosentalstraße ausdiskutiert wird. Dreieinhalb Stunden benötigen zwei Ausschüsse in nur wenig nuancierter Besetzung, um sich grundsätzlich auf einen Entwurf festzulegen, wie die Wanderstation am Ortseingang um eine weitere Holzhütte ergänzt werden soll.

Verschiedene Ansätze

Das gelingt am Ende mit unterschiedlichen Mehrheiten. Im Tourismusausschuss folgen zwölf der 13 Ausschussmitglieder dem Vorschlag der Verwaltung: Als Standort des neuen Gebäudes für die dauerhafte Ausstellung „Ort der Befreiung“ wird in der Spitze des Geländes der Wanderstation weiter verfolgt. Lediglich Wolfgang Schruff von den Parteilosen Roetgener Bürgern (PRB), die am 13. September unter dem Lila der UWG antreten, verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz.

Der Heimatverein und Geschichtsverein wolle auf der gegenüber liegenden Straßenseite ein historisches Gebäude erwerben und sanieren. Dort finde die Dauerausstellung sinnvoller und umfangreicher eine Heimat, das Pferdeweiher-Areal könne weiter dem Picknick dienen und Roetgen bekomme ein wirkliches Tor zur Eifel.

Dieser Linie bleibt Schruff in der direkt anschließenden Sitzung des Bauausschusses ebenso treu wie neun Mitglieder von CDU, SPD und FDP ihrer Zustimmung zum Vorschlag der Verwaltung. Allerdings gesellen sich dort zu Schruff ein weiteres Nein von Bernhard Müller (Grüne) und eine Enthaltung seitens der Grünen und UWG (Gudrun Meßing und Silvia Bourceau).

Spielbereich muss sich verlagern

Damit ist klar, das touristische Angebot am Pferdeweiher wird mit einem neuen Gebäude dort ergänzt, wo heute noch der Spielplatz ist. Die Angebote für den Nachwuchs werden neu im südlichen Bereich untergebracht. Wie genau der Spielbereich sowie das Ausstellungsgebäude einmal aussehen sollen und was das alles kosten könnte, das können die beauftragte Architektin Mirjam Pell und ihr Team nun erst erarbeiten.

Noch während der frühen Leistungsphase 2 hat Bürgermeister Jorma Klauss dem Bauausschuss die Richtungsentscheidung abverlangt. Bis dato kann Pell die Ausschussmitglieder lediglich mit einer Bandbreite von 180.000 bis 380.000 Euro Baukosten je nach Ausstattung konfrontieren. Je weiter die Planung fortschreitet, je konkreter können die Ziffern werden. Deshalb behält sich die Politik an diesem Abend vor, nach Vorliegen der Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung (Leistungsphase 3) erneut zu beraten. Denn die Verwaltung macht deutlich, dass der 90-prozentige Landeszuschuss 321.132,04 Euro nicht überschreiten wird. Darüber hinaus gehende Wünsche dürften zu Lasten der Gemeindekasse gehen.

Gerd Pagnia (Grüne) kalkuliert bereits mit Projektkosten von 0,5 Millionen Euro bei ungeklärter Finanzierung der Folgekosten. An SPD; CDU und FDP scheitert der Wunsch auf Vertagung der Entscheidung in den Stadtrat von Silvia Bourceau (UWG). Sie zeigt sich einerseits zufrieden, dass die ursprüngliche Idee eines Langhauses in der Ecke zur Mühlenstraße vom Tisch ist, aber sieht sich vor einem Berg von Fragen zur neuen Lösung in der nördlichen Spitze – Fragen, die allerdings zum jetzigen Planungsstand nicht beantwortet werden können. Gleichwohl will auch Gudrun Meßing (Grüne) vor weiteren Planungsschritten die Kostenfrage geklärt wissen.

Details bestimmen die Diskussion

So sind es auch mehr Bedenken, Vorstellungen und Rückfragen zu noch ungeklärten Details, die die Diskussion bestimmen, denn eine generelle Ablehnung des neuen Standortes. Den Findungsprozess, bei dem im Rahmen der Vorplanung unterschiedliche Standorte durchgespielt wurden, begründet Mirjam Pell überzeugend. An dieser Ecke bündeln sich alle Achsen von Bundesstraße, Bushaltestelle, Parkplätzen, Ravel-Route, Eifelsteig und die herausragende Lage am Eingang. Hier lasse sich das „Tor zur Eifel“ in Szene setzen.

Bislang werde die mit Plakaten verstellte Anlage des Pferdeweihers von nicht Eingeweihten kaum wahrgenommen. Das soll sich ändern durch eine Öffnung und „deutliche Aufwertung des Ensembles“, wie Klaus Onasch (SPD) lobt. Der Erhalt der Bäume wird ermöglicht. Der Ort bekommt eine Landmarke.„Konzeptionell genial“, befindet Daniel Giersberg (SPD) die Skizzen, die eine hochmoderne Werbung für Roetgen bringen. „Wie viel ist es uns wert?“, sei die Frage für die Tourismusförderung, auf die auch Roland Meyer (FDP) setzt. Und für Stephan Speitkamp (CDU) ist ein „großes Signal“ mit dem Projekt gesetzt.

Die stellt sich Bürgermeister in der Praxis so vor: Wochentags soll ein Mitarbeiter der Verwaltung am Pferdeweiher seinen Dienstsitz wahrnehmen und mit einer halben Stelle als  touristischer Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Wochenenden sollen durch Honorarkräfte des Vereins Roetgen-Tourismus abgedeckt werden. „Wir wollen den Tourismus hochhalten und mehr Besucher anlocken“, sagt Klauss und verweist auf eine Förderung der Wirtschaft. „Wenn der Andrang so hoch ist, dass wir ihm nicht mehr gerecht werden, haben wir alles richtig gemacht“.

Wenn der Pferdeweiher neu gestaltet ist, werde die Gastronomie wieder neu verpachtet. „Es melden sich laufend Interessenten“, sagt  der Verwaltungschef und erhält Rückendeckung der Liberalen: „Ich als Gastronom würde mir die Finger lecken nach der Wanderstation“, so Meyer. „Das ist eine Goldgrube.“

Einen Haken hat die ganze Geschichte noch. Der Zeitplan der Architektin sieht einen Baubeginn nicht vor Frühjahr 2022. Die Förderung läuft aber Ende September 2021 aus. Nun soll einerseits das Projekt forciert werden, andererseits die Bezirksregierung um Aufschub gebeten werden.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/roetgen/gebaeude-fuer-dauerausstellung-ort-der-befreiung-entsteht-in-roetgen_aid-53110851

Foto: Jürgen Lange