Naturschützer machen Stimmung gegen Windkraft

 Mitglieder des Vereins Natur- und Landschaftsschutz Nordeifel e.V. kämpfen gegen die möglichen Pläne zu Windkraftanlagen der Gemeinde Roetgen. Auch ein Bürgerbegehren ist bereits Thema.

Vier Verfahren hat der Verein Natur- und Landschaftsschutz Nordeifel e. V. bereits im Kampf gegen die Windkraftanlagen im Aachener Münsterwald verloren. Einen deutlich fünfstelligen Betrag hat das gekostet. Doch die Gruppe um Rainer Ständer und Rainer Hülsheger gibt nicht auf. Im Gegenteil: Mögliche neue Planungen für Windkraftanlagen in Roetgen rufen die Naturschützer erneut auf den Plan.

Am kommenden Dienstag (18 Uhr im Rathaus) wird die Verwaltung im Bauausschuss der Gemeinde eine neue Voruntersuchung für mögliche Standorte von Windrädern der Politik vorstellen. Die Vorlage, die bereits im Internet abrufbar ist, wird von dem Verein infrage gestellt. Mehr noch: Im Ort gebe es bereits Rufe nach einem Bürgerbegehren, sollte die Politik tatsächlich Windkraftanlagen bauen wollen.

„CDU bricht Wahlversprechen“

Dass dies überhaupt wieder zum Thema geworden sei, lastet der Verein vor allem den Roetgener Christdemokraten an. „Um es klar zu sagen: Hier wird ein Wahlversprechen gebrochen“, sagt Rainer Hülsheger, selbst langjähriges CDU-Mitglied. Er zitiert aus dem Wahlprogramm vor fünf Jahren: „Der Roetgener CDU geht es bei der Ablehnung der Windkraftanlagen nicht um die Verhinderung von regenerativen Energien, sondern einzig und allein um die Erhaltung des Münsterwaldes mit seiner einzigartigen Natur.“

Mittlerweile weinten aber auch die Konservativen den Einnahmen hinterher, die durch die Verpachtung hätten erzielt werden können. „Das Mäntelchen des Klimaschutzes soll überdecken, dass es hier nur ums Geld geht“, sagt Hülsheger. Tatsächlich erzielen die Nachbarkommunen Monschau und vor allem Simmerath mit den dortigen Windparks viel Geld – Einnahmen, die Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) für seine eher strukturschwache Kommune auch gerne hätte.

Der Münsterwald wird durch das neue Gutachten erneut zu einer von drei möglichen „Konzentrationszonen für Windernergieanlagen“ erklärt. Mit nur 26,3 Hektar am südlichen Rand Richtung belgische Grenze ist sie allerdings die kleinste. Daneben rückt erneut die westliche Hahner Straße (57,9 Hektar) sowie der Bereich Schleebachgraben/Roter Weg (81,1 Hektar) ins Visier der Planer. Alle drei Bereiche lehnt der Verein ab – aus grundsätzlichen, aber auch individuellen Erwägungen.

„Der Roetgener Wald ist der Reichtum des Ortes und darf nicht durch Windenergieanlagen zerstört werden“, heißt es in einem Offenen Brief an den Bürgermeister und die Ratsfraktionen. Der Wald diene der Erholung der Bürger. In einem Wald voller Windkraftanlagen sei diese nicht mehr möglich, sagt Ständer. Der frühere Mitbegründer der Roetgener Grünen wirft der Politik vor, einer mächtigen Wirtschaftslobby nichts entgegenzusetzen. Ständer war seinerzeit nach 18 Jahren Mitglied­schaft bei den Grünen ausgetreten. Die Anlagen der Stawag im Münsterwald nennt er „ein abschreckendes Beispiel für Landschaftszerstörung“. Finanzielle Anreize könnten diese „Zerstörung“ nicht rechtfertigen. „Wir appellieren daher an die CDU, sich an ihr damaliges Wahlversprechen zu erinnern“, sagt Ständer.

Widersprüche und Fehler?

Auch wenn man dem beauftragten Stadt- und Landschaftsplanungsbüro BKR aus Aachen keinen Vorsatz unterstelle, zeuge deren Voruntersuchung „von einer gewissen Rücksichtslosigkeit“. Im Detail habe man einige Widersprüche und auch Fehler aufgedeckt, erklären die Naturschützer.

So berücksichtige die Planung für das Gebiet im Münsterwald zum Beispiel nicht die Abstandsregeln zum belgischen Wohngebiet Binsevenn, das zu Petergensfeld gehört. Hier gingen die Planer lediglich von einem 500-Meter-Abstand zu den Häusern aus. Der Landesentwicklungsplan sehe hingegen als Regel 1500 Meter vor. Diese würden hinsichtlich der Roetgener Bebauung eingehalten, auch wenn in begründeten Fällen davon abgewichen werden könne. „Das muss auch für unsere belgischen Nachbarn gelten“, fordert Rainer Ständer. „Es ist aber klar, warum man auf die Belgier weniger Rücksicht nehmen will: Denn dann würde dieses Gebiet schon einmal völlig aus der Planung herausfallen.“ Es bliebe lediglich Platz für maximal ein Windrad, das so jedoch nicht wirtschaftlich zu betreiben sei.

Punkt zwei: Das Planungsgebiet westlich der Hahner Straße. Dieses sei bei der ersten Studie vor einigen Jahren mit nur 3,9 Hektar sehr viel kleiner ausgefallen als in der aktuellen Untersuchung. Damals sei man nämlich von einer Pufferzone von 300 Metern zum angrenzenden Naturschutzgebiet am Dreilägerbach ausgegangen. Dies hätten die Planer in der aktuellen Vorlage völlig ignoriert.

Tatsächlich heißt es im Fazit der Voruntersuchung: „Keine dieser Flächen ist frei von Restriktionen. Alle Flächen liegen innerhalb von Landschaftsschutzgebieten, die Flächen zwei (Hahner Straße) und drei (Schleebachgraben) innerhalb der Wasserschutzzone zwei des Wasserschutzgebietes der Dreilägerbachtalsperre, 100 Meter östlich der Fläche drei liegt ein FFH-Schutzgebiet.“ Gleichzeitig stellt das Planungsbüro die 1500-Meter-Abstandsregelung des Landesentwicklungsplans infrage: Bei Abständen von lediglich 800 Metern ergäben sich „umfangreiche Potenzialflächen, die näher untersucht werden müssten“.

Für Ständer und Hülsheger eine Horrorvorstellung: „Es geht hier nicht nur um Landschaftsschutz, sondern auch um Tiere, die unter solchen Anlagen leiden: Fledermäuse, Greif- und Zugvögel. Unsere Natur verarmt zusehens. Weil wir unser eigenes Verhalten nicht ändern wollen, geht es auf Kosten der Schwächsten – der Tiere und der Landschaft“, sagt Hülsheger. Er fordert: Stattdessen sollte man lieber beim Individualverkehr und der Landwirtschaft ansetzen, um Energie zu sparen und den Kohlendioxidausstoß zu senken. Dies sei erheblich effektiver.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/roetgen/naturschuetzer-machen-stimmung-gegen-windkraft_aid-48230863

Foto: Marco Rose