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Konzept Neubaugebiet Grepp II vorgestellt

 Am Ende war alles einstimmig, aber eine Bedeutung hat das zunächst nicht. Einigkeit herrschte in der öffentlichen Bauausschusssitzung am Dienstag unter den Parteien beim Thema „Neubaugebiet Grepp 2“, das zwischen den zwei bestehenden Siedlungen Grepp 1 und Grepp 3 entwickelt werden soll.

41 Zuschauer mit Maske ließ Bürgermeister Jorma Klauss in den Ratssaal. Danach war Schluss. Tatsächlich wurden weitere Interessenten der Tür verwiesen, während SPD-Mann Klaus Onasch den Ausschuss mit Worten an das Publikum eröffnete: „Sie sind Zuhörer. Rederecht haben nur die Ausschussmitglieder. Ich bitte Sie, von Beifallsbekundungen oder Buh-Rufen Abstand zu nehmen.“ Im Ratssaal blieb es in den nächsten 1,5 Stunden ruhig, von den Zuhörern war kein Mucks zu hören.

Tatsächlich war die Ausführung von Fachbereichsleiter Dirk Meyer zum Projekt „Grepp 2“ sachlich und informativ. Er trug die Ergebnisse des Siegerbüros Octagon vor, einem jungen noch nicht etablierten Architekturbüro aus Leipzig. Das war von neun teilnehmenden Büros als Sieger gekürt worden, nachdem die Roetgener Bauland GmbH einen städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben hatte. „Mit vielen innovativen Ideen und jungem Querdenken konnte das Leipziger Büro mit einem Neubaugebiet überzeugen, das kein typisches Neubaugebiet sein wird“, fasste Dirk Meyer zusammen, dass nun mit Grepp 2 ein homogenes Gebilde auf dem Reißbrett mitten in Roetgen entstanden sei.

Nach 41 Besuchern war Schluss: Nur mit Maske und mit Abstand dürften Interessierte an der Bauausschusssitzung teilnehmen.

„Der vorgeschlagene Entwurf ragt nicht heraus aus den vorhandenen Baustrukturen. Im Konzept sieht das Baugebiet organisch gewachsen aus, so als wären in den Jahren Baulücken gefüllt worden“, urteilte Meyer. Vor allem würden die vorhandenen Hecken in dem fast sieben Quadratmeter großen Gebiet erhalten bleiben, um am Ende eine „Durchgrünung“ von 29 Prozent im Wohngebiet zu erhalten. Vier Bauabschnitte könnten nacheinander erschlossen werden, wenn die jetzigen Besitzer einem Verkauf zustimmen. In Vorgesprächen hat die Stadt bereits die Verkaufs-Bereitschaft abgefragt, detaillierte Gespräche sind noch nicht geführt worden.

Auf den Plänen sind neben dem vielen Grün verschiedene Grundstücksgrößen und Gebäude zu erkennen. „Schmale, tiefe Parzellen sorgen für einen kurzweiligen Gebäuderhythmus im Straßenraum und eignen sich für kleinere Einfamilienhäuser mit giebelständiger Positionierung zur Straße oder für Doppelhäuser. Gleichzeitig ist durch die Tiefe der Grundstücke ein Bezug zu dem rückwärtigen anschließenden Landschaftsraum gegeben. Ein breiterer Parzellentyp, der sich im Besonderen für die ortstypischen Winkelhofhäuser oder traufständige Gebäude eignet, sorgt für ein abwechslungsreiches Bild im Straßenraum. Der dritte und größte Parzellentyp ist für den Geschosswohnungsbau vorgesehen. Diese Parzellen liegen meist an den Endpunkten der Stichwege“, ist im Entwurf nachzulesen.

Während die Politiker vom Bauausschuss dem Entwurf zustimmten, brodelte es bei den Zuhörern.

Da war die eine Fraktion, die dringend Bauland in Roetgen erwerben möchte. Die Betreffenden wurden allerdings im besten Fall auf 2023 vertröstet. „Ab Montag, 12. Oktober, wird es von den drei Bestplatzierten des Wettbewerbs eine vierwöchige Ausstellung im großen Sitzungssaal des Rathauses geben. Danach müssen wir mit den Eigentümern reden, ob sie dem Verkauf der Grundstücke zustimmen.

Am 3. November muss der Gemeinderat dem Konzept grünes Licht geben. Dann können wir vielleicht mit dem Bebauungsplan in der ersten Hälfte von 2021 beginnen. Wenn alles rundläuft, können wir die ersten Grundstücke 2023 anbieten“, rechnete Dirk Meyer vor. In dem Zusammenhang wies Bürgermeister Jorma Klauss darauf hin, „dass unsere Zielsetzung nicht sein wird, einen möglichst hohen Verkaufspreis der Grundstücke zu erzielen“.

Dann gab es die Anwohner vom Gebiet an der Greppstraße. Zum einen die, die ein Haus in Grepp 1 gekauft hatten und mit dem Beschluss von Grepp 2 einen Verlust von Lebensqualität erwarten, weil Ausblicke genommen werden und der Verkehr erhöht wird. Zum anderen die, die vor vielen Jahren in der Greppstraße ein älteres Haus gekauft haben, um auf dem Dorf zu leben.

„Ich nehme jeden Tag 30 Kilometer Anfahrtsweg zur Arbeit auf mich, weil wir auf dem Dorf leben wollten. Wenn jetzt mit Grepp 2 noch mal 60 Parzellen mit Geschäftshäusern in unserer unmittelbaren Nähe bebaut werden, werden wir in einer stadtähnlichen Siedlung wohnen“, mutmaßte eine 36-jährige Anwohnerin. Mit bis zu 3,5-geschossigen Gebäuden und vielen Stellplätzen gebe es dann nicht nur zu den Stoßzeiten morgens und abends viel Verkehr, sondern auch über den Tag verteilt. Aber auch über den alten Baumbestand machten sich die Anwohner Sorgen.

Im Rathaus dagegen waren es vor allem die Grünen, Gudrun Meßing, und die UWG, Silvia Bourceau, die darauf drängten, mit dem Neubaugebiet Grepp 2 die CO2-Neutralität umzusetzen.

Also stimmte der Bauausschuss jeweils einstimmig zu den abzustimmenden Punkten: 1. Das Ergebnis des Wettbewerbs wird zur Kenntnis genommen. 2. Eine Umsetzung des Konzeptes von Octagon wird angestrebt und 3. Ob die Roetgener Bauland GmbH mit dem Projekt beauftragt wird, wird vertagt.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/roetgen/neubaugebiet-grepp-2-oeffentlich-vorgestellt_aid-53545703

Foto:Conny Stenzel-Zenner