Durch Windkraft wird Bild um Roetgen verändert?

 Neue Windkraftanlagen im Raerener Wald werden das Landschaftsbild um Roetgen voraussichtlich deutlich verändern. Kurz vor Weihnachten hat der Raerener Gemeinderat mit einem Rahmenbeschluss den Weg für eine konkrete Planung freigemacht.

An der Vennstraße zwischen Petergensfeld und Eupen soll die Anlage entstehen, deren genaue Dimension derzeit noch völlig unklar ist. Absehbar ist aber schon jetzt, dass die Windkraftanlagen in unmittelbarer Nähe zum streng geschützten Natura-2000-Gebiet bei Naturfreunden und Wanderern wenig Begeisterung wecken und auch in Ostbelgien sehr umstritten sein werden.

„Natura 2000“ ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU, das seit 1992 nach den Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie errichtet wird. Sein Zweck ist der länderübergreifende Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume.

Die Windräder der neuen Generation sollen nach Auskunft des Raerener Bürgermeisters Erwin Güsting (Partei „Mit uns“) mindestens etwa 30 Meter über den höchsten Baumwipfeln rotieren. Sie sind vergleichbar mit jenen, die von der Stawag im Münsterwald betrieben werden. „Die Natur wird auf diese Weise wenig beeinträchtigt“, sagt Güsting. Auch an negative Auswirkungen auf den Venn-Tourismus glaubt er nicht.

Der Bereich sei im Windatlas der Wallonischen Region als strategisch günstiger Punkt zur Gewinnung von Windenergie ausgewiesen worden. Betroffene Anwohner gebe es nicht, da nach belgischem Recht ein Abstand der vierfachen Höhe einer Windanlage zu einer Gruppe von Häusern zu wahren sei. Einzelne Häuser seien damit nicht gemeint.

Die Stawag bekundet Interesse

Für die Gemeinde Raeren ist ein solcher Bau lukrativ, da er auf Gemeindeeigentum entstehen und entsprechende Pachteinnahmen abwerfen würde. Für Güsting geht es aber nicht nur ums Geld: Angesichts der Klimakrise müssten auch vor Ort auf Worte endlich Taten folgen, argumentiert er. Der verabschiedete sogenannte Referenzrahmen umfasst neun Punkte, an denen sich die Planung nun orientieren muss. In einem ersten Schritt wird 2020 eine aufwändige Machbarkeits- und Umweltstudie erstellt. Noch im Februar soll die Raerener Bevölkerung in einer großen Bürgerversammlung über die Pläne informiert werden.

Bis eine Anlage in Betrieb gehen könnte, würden laut Güsting mindestens zwei bis drei Jahre ins Land gehen. Sein Partei­freund und Gemeinderatsmitglied Christoph Heeren betont, die Prüfung erfolge ergebnisoffen. Ob der Windpark tatsächlich gebaut werde, stehe noch nicht fest. Bürgermeister Güsting geht indes fest davon aus, dass das Projekt realisierbar ist. In der Vergangenheit habe die Aachener Stawag bereits Interesse signalisiert. Bei einer Ausschreibung rechne man mit mehreren Bewerbern.

Dass die Stawag „auf jeden Fall Interesse hat, in diesen Windpark zu investieren“, bestätigt Sprecherin Eva Wußing unserer Zeitung. Daher warte man in Aachen gespannt auf eine Ausschreibung. Es habe in diesem Zusammenhang bereits eine Vorbesichtigung der Anlagen im Münsterwald durch eine Delegation aus Raeren gegeben.

Der Roetgener Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) sieht sich durch die Pläne der belgischen Nachbarn in seinem Vorhaben bestärkt, auch auf Roetgener Gemeindegebiet in Zukunft Windkraftanlagen zu bauen. Schließlich sei Roetgen bald von Kommunen umzingelt, die alle auf Windkraft im Wald setzten und entsprechende Einnahmen damit erzielten. Neben der Stadt Aachen mit den Windrädern im Münsterwald ist es bislang die Gemeinde Simmerath, die vor allem mit den Anlagen in Lammersdorf auf der Gewinnerseite steht. In Kürze soll deshalb im Roetgener Bauausschuss eine neue Machbarkeitsstudie vorgestellt werden, die mögliche Standorte für Windräder auf dem Gemeindegebiet untersucht.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/landschaftsbild-in-der-naehe-des-venns-koennte-sich-veraendern_aid-48120585

Foto: Marco Rose