Corona in der Städtregion/Virus schränkt Leben ein

 Das Coronavirus hat auch in der Eifel weitreichende Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Am Montag trafen sich Vertreter der Ordnungsämter aller zehn Kommunen der Städteregion, um die aktuelle Lage zu besprechen und weitere Maßnahmen zu veranlassen.

Dabei ging es auch um Regelungen für Restaurants und Geschäfte in Form einer sogenannten Allgemeinverfügung.

Die Beschlüsse wurden aber noch vor ihrer Veröffentlichung von einem Beschluss der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten der Länder überholt. Demnach sollen nun viele Geschäfte und Kneipen dicht machen und der Tourismus eingeschränkt werden. Selbst Spielplätze sollen geschlossen werden.

Aber auch so wären die Bibliotheken, Schwimmbäder, Turnhallen und Sportplätze, Vereinsräumlichkeiten und Einrichtungen wie Musikschule, Volkshochschule, Nationalparktore und Touristinformationen bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen worden oder waren es bereits.

Auch Rathäuser und Verwaltungsstellen sollen nur noch in dringenden, unaufschiebbaren Fällen aufgesucht werden. Dringend empfohlen wird, in jedem Fall vorher telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Die Zugänge zu den Rathäusern in Monschau, Simmerath und Roetgen wurden daher beschränkt.

An den Pforten kommt nur vorbei, wer sich vorher angemeldet hat. „Vieles lässt sich ja auch telefonisch regeln“, meint Roetgens Bürgermeister, Jorma Klauss. Das sehen seine Kollegin in Monschau und sein Kollege in Simmerath genauso. Für Dinge, für die ein persönliches Erscheinen nötig ist, müssen Termine vereinbart werden.

Mit Blick auf die Kinderbetreuung sind die Arbeitszeiten „massiv flexibilisiert“ worden. Außerdem werde das Rathaus in Roetgen öfter gereinigt, erklärt Klauss. „Es ist zu beobachten, dass die Bürger in Roetgen sehr besonnen mit der Situation umgehen, und das ist gut so“, sagt der Roetgener Bürgermeister. „Wir haben es mit massiven Einschränkungen bis in den Kern des menschlichen Alltags zu tun, von denen unser alltägliches Leben immens betroffen ist. Wichtig dabei ist, dass die Versorgungsstruktur aufrecht erhalten bleibt“, sagt Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter. „Die Mitarbeiter der Gemeinde Simmerath setzen trotz Corona alles daran, für den Bürger in dringenden Fällen auch weiterhin da zu sein“, sagt Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns.

33 Personen in der Städteregion sind wieder gesund

Stand Montagmorgen 11 Uhr gab es in der Städteregion 169 positive Fälle, davon 85 in der Stadt Aachen. Von den insgesamt 169 Fällen sind 33 Personen über so genannte „Frei-Testungen“ nachweislich wieder gesund.

Seit Beginn der Krisenstabsaktivitäten gibt es für allgemeine Informationen (nicht für die persönliche medizinische Beratung) unter 0241/510051 eine Corona-Info-Hotline (an Werktagen von 8 bis 18 Uhr und am Wochenende von 8 bis 15 Uhr). Das NRW-Gesundheitsministerium hat darüber hinaus eine Hotline zum Coronavirus unter der Nummer 0211/91191001 geschaltet. Die hausärztlichen Bereitschaftsdienste sind auch am Wochenende über die Hotline 116117 zu erreichen.

Das Kommunale Abstrichzentrum ist wochentags, 8 bis 18 Uhr, erreichbar. Alle Menschen, die getestet werden wollen, müssen vorher die Telefonhotline 0241/5198-7500 anrufen. Aktuell kommt es zu einem hohen Aufkommen von Anrufen.

Die gemeinsam tagenden Krisenstäbe der Städteregion und der Stadt Aachen hatten bereits vor Tagen beschlossen, dass Besuche in Heimen auf das Notwendigste zu beschränken sind. „Es gilt die Regel: Je Bewohnerin oder Bewohner im Regelfall eine Person je Tag. Die Besuche sollen maximal eine Stunde dauern und nur noch auf den Zimmern, nicht in Gemeinschaftsräumen stattfinden. Besucher sollen an den Eingängen erfasst und registriert werden, damit im Falle von Infektionen Kontaktpersonen zum Nachweis von Infektionsketten ermittelt werden können“, heißt es.

Auch im Maria-Hilf-Stift in Monschau besteht seit vergangenem Donnerstag ein Besuchsverbot. Ausnahmen müssen mit der Geschäftsführung im Einzelfall abgestimmt werden. Neben dem Besuchsverbot gibt es weitere Vorsichtsmaßnahmen. Das an das Maria-Hilf-Stift angeschlossene Café ist geschlossen. Der ehrenamtliche Dienst ist ausgesetzt. Gottesdienste finden in der Kapelle nicht statt. Neue Bewohner dürfen keine Erkältungssymptome zeigen und benötigen eine aktuelle ärztliche Bescheinigung.

Alle Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Ordensschwestern sind eindringlich aufgefordert worden, neben den ohnehin notwendigen Hygienemaßnahmen, nicht auszugehen und soziale persönliche Kontakte auf das absolut mögliche Minimum zu reduzieren. An einer Möglichkeit für die Heimbewohner mit ihren Verwandten und Bekannten online in Kontakt zu bleiben wird gearbeitet.

In der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath gilt ebenfalls ein generelles Besuchsverbot. In dringenden Ausnahmefällen wird gebeten, sich vorab telefonisch am Empfang unter 02473/890 zu melden. Patienten, die Symptome aufweisen (Fieber, Husten, Schnupfen, Niesen, Halsschmerzen, Heiserkeit), an anderen ansteckenden Krankheiten leiden oder sich im Vorfeld in einem Risikogebiet aufgehalten haben, können nicht im Rahmen einer regulären Sprechstunde oder Patientenaufnahme empfangen werden.

Wer als Notfallpatient in die Klinik kommt, soll zunächst klingeln ohne einzutreten. Anschließend wird der Mensch von einem Mitarbeiter abgeholt, um sie entsprechend auszustatten und zu screenen. In den ambulanten Wartebereichen behält sich die Klinik vor, entsprechende Patienten zu isolieren und mit ihnen ein weiteres Vorgehen zu besprechen.

Die Kirchen haben ebenfalls auf die Situation reagiert und die Gottesdienste bis auf Weiteres abgesagt. Auch Exequien könnten zunächst nicht mehr stattfinden, erklärt die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Monschau. „Ab sofort finden Beerdigungen als würdevolle Abschiedsfeiern am Grab statt. Wir bitten eindringlich darum, auch in dieser insbesondere für die Angehörigen schweren Situation, die Teilnehmerzahl gering zu halten und den gebotenen Sicherheitsabstand untereinander zu wahren“, heißt es in einem Informationsschreiben.

Um den Zusammenhalt aller Gläubigen auch ohne Zusammenkünfte zu stärken, lädt die GdG ein, sich im persönlichen Gebet oder Stille miteinander zu verbinden. Dazu läuten die Kirchenglocken werktags um 19 Uhr sowie samstags und sonntags um 10 Uhr. Viele Kirchen sollen aber geöffnet bleiben. „Unsere Kirchen bleiben offen, damit die Menschen in dieser schwierigen Zeit auch mal eine Kerze anzünden oder im Gebet still verweilen können“, teilt die GdG Simmerath mit.

Die Feuerwehren hatten schon in der vergangenen Woche reagiert und sämtliche Lehrgänge auf Ebene der Städteregion sowie die Aktivitäten der Jugendfeuerwehren und Ehrenabteilungen abgesagt. Alle sonstigen Aktivitäten, die nicht zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft dienen, finden ebenfalls nicht statt. In der Gemeinde Simmerath finden an den verschiedenen Standorten weiterhin Übungen statt. „Es bleibt den einzelnen Löschgruppen überlassen, ob sie das in mehreren kleinen Gruppen machen“, sagt Simmeraths Wehrleiter, Christian Förster. „Wir haben die Übungen auf ein Mindestmaß reduziert“, erklärt der Leiter der Monschauer Feuerwehr, Falk Claßen.

In Roetgen werde auch so gehandelt, sagt Wehrleiter Joachim Wynands. Die zurzeit laufende Grundausbildung wird fortgesetzt, allerdings unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Die Atemschutz-Grundausbildung gemeinsam mit der Feuerwehr Stolberg hat die Feuerwehr Roetgen aufgrund der aktuellen Situation unterbrochen.

Den Feuerwehrchefs ist bislang kein Fall einer Infektion in ihren Reihen bekannt. „Wir sind uns aber bewusst, dass sich das jederzeit ändern kann“, sagt Förster. „Allen Mitglieder mit Erkältungserscheinungen wurde geraten, dem Feuerwehrdienst fern zu bleiben, bis alles durch einen Arzt abgeklärt wurde“, erklärt Wynands.

 Seit einer Woche tagen die Krisenstäbe von Stadt Aachen und Städteregion gemeinsam, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bekämpfen. Unter anderem wurde jetzt ein „Abstrichzentrum“ eingerichtet, um Ärzten und Krankenhäusern mehr Luft zu verschaffen.

Seit einer Woche sitzen die Krisenstäbe von Stadt Aachen und Städteregion zusammen, um Vorkehrungen zu treffen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Bislang wurden fünf Schulen geschlossen und eine Kita. In den Krankenhäusern wurde teilweise das Besuchsrecht eingeschränkt. 24 Menschen, davon mindestens sieben aus Aachen selbst, sind positiv auf das Virus getestet worden. Dass es dabei nicht bleiben wird, kann man sich in der Erkältungszeit und bei der Übertragbarkeit des Erregers durchaus denken.

„Wir hatten schon Krisenstäbe wegen Hochwasser und wegen Stürmen. Aber das jetzt mit Corona, das ist eine Situation, die wir noch nicht hatten“, sagt Jürgen Wolff, Leiter der Aachener Feuerwehr. Und trotz der ungewohnten Situation zeigen sich die Vertreter von Stadt und Städteregion betont ruhig, als sie eine erste Bilanz ziehen. „Wir haben sehr schnell festgestellt, dass es sinnvoll ist, die beiden Krisenstäbe von Stadt und Städteregion zusammen arbeiten zu lassen“, sagt Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen. Dass diese Zusammenarbeit sich bewährt hat, betont auch Städteregionsrat Tim Grüttemeier: „Wir sitzen zweimal am Tag zusammen, arbeiten sehr eng und sehr vertrauensvoll zusammen, die Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm.“

Und nur in dieser engen Zusammenarbeit ist es möglich gewesen, eine Einrichtung zu etablieren, die die Krankenhäuser und Arztpraxen in der Städteregion deutlich entlasten soll: das sogenannte „Abstrichzentrum“ in Eschweiler. Was das ist, erklärt Monika Gube, Leiterin des städteregionalen Gesundheitsamts: „In diesem Zentrum werden wir Menschen, die als Kategorie-I-Kontakt gelten, auf das Virus testen lassen.“ Wer also mindestens 15 Minuten lang „face to face“-Kontakt zu einer Person hat, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hat, und – ganz wichtig – selbst Krankheitssymptome aufweist, kann sich in Eschweiler testen lassen.

Erst Termin, dann der Test

In dem Zentrum, in dem am Mittwoch um 13 Uhr drei Test-Teams die Arbeit aufgenommmen haben, können täglich bis zu 400 Personen auf Corona getestet werden. „Dreimal täglich werden dann die Tests mit einem Expressfahrzeug zu einem Labor nach Köln gebracht“, sagt Michael Ziemons, Gesundheitsdezernent der Städteregion. „Und dieses Labor hat uns versprochen, zu jedem einzelnen Test in spätestens 24 Stunden eine Rückmeldung geben zu können.“ Ganz wichtig: Nur Menschen, die einen bestätigten Termin haben, werden in Eschweiler getestet. „Alle Menschen, die getestet werden wollen, müssen vorher die neue Telefonhotline 0241/5198-7500 anrufen. Man kann also nicht einfach zum Abstrichzentrum kommen. Und auch mit der Überweisung eines Arztes muss man vorher die Hotline anrufen“, erklärt Michael Ziemons. Vor Ort werde ein Ordnungsdienst eingesetzt, der ausdrücklich nur Personen mit einem Termin von der Hotline in das Gebäude lasse.

Durch dieses Zentrum hoffen die Verantwortlichen, dass Ärztinnen und Ärzte und das Personal in den Krankenhäusern sich wieder mehr auf die Behandlung ihrer Patienten konzentrieren kümmern. In diesem Zusammenhang erklärt Aachens OB Marcel Philipp noch einmal, warum man sich entschieden hat, Stationen in Krankenhäusern nicht zu schließen, auch wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter an Corona erkrankt ist.

Fall im Rhein-Maas-Klinikum

Neben dem bekannten Fall auf der Frühchen-Intensiv-Station im UKA gibt es mittlerweile einen weiteren Fall in einer „kritischen Einrichtung“ in einem Krankenhaus der Region. Nun ist auch das städteregionale Rhein-Maas-Klinikum in Würselen betroffen. Laut Tim Grüttemeier gibt es einen bestätigten Corona-Fall beim medizinischen Personal der dortigen Intensivstation. Die Betroffene sei in häuslicher Quarantäne. Auf der Intensivstation laufe der Betrieb weiter. Bei anderen Mitarbeitern seien keine Symptome aufgetreten. In solchen Intensivbereichen seien die Vorsichtsmaßnahmen ohnehin deutlich höher als auf normalen Stationen.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/so-soll-das-virus-ausgebremst-werden_aid-49363773