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BGSS in Roetgen nimmt Pflegeheim ins Visier

 Wie geht es weiter im Ringen um die umstrittene Erweiterung des Seniorenheims an der Jennepeterstraße? Durchaus anerkennend hat der Roetgener Gemeinderat am Dienstagabend einen Bürgerantrag der Interessengemeinschaft „ethisches Altenheim“ an die beiden zuständigen Fachausschüsse verwiesen.

Im Kern fordert die Gruppe um Linde Brasse sowie Frauke und Helmut Sontag ein Moratorium beim geplanten Ausbau der Einrichtung: Solange die im Frühjahr publik gewordenen, gravierenden  Pflegemängel nicht restlos beseitigt seien und die Vorkommnisse aufgeklärt würden, müsse die geplante Erweiterung auf Eis gelegt werden. Und zwar für mindestens 18 Monate. Stattdessen solle die Gemeinde die Arbeit des beschlossenen runden Tisches „3. Lebensphase – alt werden in Roetgen“ forcieren und nach Kräften unterstützen, um mögliche Alternativen zur Betreuung in einem zentralen Pflegeheim aufzuzeigen.

Der Bürgerantrag sei „in seiner Ausgewogenheit sehr begrüßenswert“, beschied Bürgermeister Jorma Klauss (SPD). Mit Blick auf den äußerst umstrittenen Betreiber – die Itertalklinik ist eine Tochter des Alloheimkonzerns – betonte Klauss aber auch, dass die Gemeinde nicht darüber entscheiden könne, wer das Heim betreibt.

Tatsächlich hat die Gemeinde aber über das Baurecht nach wie vor die Möglichkeit, den seit fünf Jahren geplanten Erweiterungsbau an der Jennepeterstraße noch zu verhindern. Offenbar unter dem Eindruck weiterer Berichte über Pflegemängel, die zum Beispiel in einem offenen Brief von Angehörigen an die Mitglieder des Gemeinderats geschildert werden, äußert sich Klauss zudem deutlich kritischer hinsichtlich der Zustände in der Einrichtung. Er sieht inzwischen „große Fragezeichen“. CDU-Fraktionschef Michael Seidel wiederum beteuerte, niemand im Rat verschließe die Augen vor dieser Situation. Rechtliche Handhabe habe allerdings nur die Heimaufsicht der Städteregion, die die Einrichtung im Frühjahr eingehend geprüft habe.

Dort ist man mit der Abarbeitung von akuten Mängeln wohl einerseits zufrieden, spricht aber von strukturellen Problemen, die auf die Schnelle nicht zu lösen seien. Aufklärung erhofft sich der Rat nun von der Sitzung des Sozialausschusses in der kommenden Woche. Dort soll ein Vertreter der Heimaufsicht gehört werden. Inwieweit dieser mit Blick auf den Datenschutz wirklich frei reden kann, sei aber fraglich. Antragsteller Helmut Sonntag formulierte schon einmal seine Erwartung an die Politik: „Von Ihnen erwarte ich, dass sie einem solchen Betreiber sagen: So, wie du dein Geschäft betreibst, geht es nicht!“

Für den Grünen Bernhard Müller ist daher die zentrale Frage, „ob eine Gesellschaft die Pflege alter Menschen wirklich dem freien Kapitalmarkt überlassen sollte“.

https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/roetgen/sozialausschuss-nimmt-pflegeheim-ins-visier_aid-51704007

Foto: Marco Rose